Landgraf Friedrich II.

 

 

 

 

Titelblatt der Memoires

 

Geschichte

Im September 2004 wurde der Verein »Kasseler Freunde der Antike – Société des Antiquités« gegründet. Er sieht sich in der Tradition der  von Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel gegründeten »Société des Antiquités«. Diese trat erstmals im April 1777 zusammen, nur wenige Wochen nachdem der Landgraf aus Italien zurückgekehrt war.

Unter Friedrich II. wurde die Antikensammlung in der Folge stetig erweitert. Zusätzlich zu den schon 1750 erworbenen Stücken aus der Sammlung Wassenaer-d’Obdam und den von Friedrich II. in Italien erworbenen Statuen und Bronzen beschafften Kunstagenten in den folgenden Jahren Bodenfunde und Objekte aus anderen Sammlungen. Zur Erforschung der Kasseler Antikensammlung traf sich die Altertümergesellschaft alle zwei Wochen am Samstagabend um fünf Uhr im Landgrafenschloss.

Die Atmosphäre der »Société des Antiquités« wird anschaulich von Friedrich von Günderode geschildert: »Ausserdem ist ein Zimmer im Schloß zu diesen Zusammenkünften eingeräumt worden, welches zu diesem Behuf sehr schicklich ist; indem es sehr altväterlich aussieht, besonders sind die Verzierungen über der öbersten Thüre sehr passend. Des erblaßten, eifrigen Bearbeiters dieser Wissenschaften –  Winckelmanns Brustbild steht da auf einem Tisch in Metall fein ausgearbeitet, wie man sagt, sehr ähnlich. Gleich dabey ist eine Tafel, worauf alle Mitglieder eingeschrieben sind; in der Mitte des Zimmers steht dem Herrn Landgrafen gegenüber ein grosser Tisch, an welchem der beständige Secretair sitzt  Der Herr Landgraf sitzen unter einem Baldachin, rechts und links einige Prinzen vom Haus; die Herrn Ministers und übrige Cavaliers vom Hof, einige Herrn vom Militair, und aus vielen Gelehrten bestehende Mitglieder, setzen sich unter einander nach der Folge ihrer Aufnahme, in der ganzen Weite des Zimmers umher. Fremde, die neugierig sind, einer solchen Versammlung beyzuwohnen, werden eingelassen; und von dem Secretair auf einen besonderen dazu bestimmten Platz gewiesen.« (Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand von Cassel mit aller Freiheit geschildert [Frankfurt 1781] 145–146)

Die Anwesenheit des Landgrafen war nicht nur dem Hofzeremoniell geschuldet. Friedrich II. verfügte über fachliche Kenntnisse und wachte als „eigentliche Seele des Vereins“ (C. Bernhardi) über das wissenschaftliche Niveau der Versammlung. Alle Vorträge und Berichte wurden seit Gründung der Gesellschaft gesammelt. Sie werden noch heute als Manuskripte in der Landes- und Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel (BB6 der Universität Kassel) verwahrt. 1780 erschien die einzige gedruckte Publikation der »Société des Antiquités«, die »Mémoires de la Société des Antiquités de Cassel«, die in einer digitalen Version im Internet leicht  zugänglich sind (http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/memsocantcassel).

Mit dem Tode Friedrichs II. am 31. Oktober 1785 endete die aktive Phase der Gesellschaft. Ihre »beständigen Sekretäre« Casparson und Völkel hielten die Gesellschaft bis 1806/1807 am Leben, obwohl die Zahl der Sitzungen auf jährlich vier reduziert worden war, viele Kasseler Professoren nach Marburg versetzt worden waren und das Collegium Carolinum 1791 den Lehrbetrieb einstellte. Während und nach dem Ende der Herrschaft Jerôme Napoleons konnte die »Société des Antiquités« ihre Arbeit nicht wieder aufnehmen.

Stand: 18. Mai 2017